Anfänge des Verkehrswesens

Erste Schiffe

Oberländer im Salmenwasser  Am Anfang des Wegs zur Martinskapelle ist das Salmenhäuschen zu erkennen.



Das bedeutendste Frachtschiff des Rheins vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit war der Oberländer. Oberländer hießen diese Schiffe, weil sie nur von den Oberländern am Mittelrhein gebaut und benutzt wurden. Rheinabwärts am Niederrhein wohnten die Niederländer (nicht zu verwechseln mit den Holländern). Die Länge betrug bis zu 25 m, seine Breite 3,50 m vorne und 6,50 m hinten. Bei bis zu 120 Tonnen Ladung war der Tiefgang mit 30 cm sehr gering. Das war wichtig, denn in Braubach betrug die Wassertiefe bis zur Sandbank vor der Schiffbarmachung im 19. Jahrhundert bei niedrigem Wasser nur einen halben Meter Die Hütte am Heck diente dem Schiffer als Wohnung, die Mannschaft fand in Treidelhöfen entlang des Rheins eine nächtliche Unterkunft. Bis Ende des 16. Jahrhunderts hatten die Oberländer keine Segel. Am Mast wurde die Treidelleine befestigt, mit deren Hilfe das Schiff auf den Leinpfaden vom Ufer aus flussaufwärts gezogen wurde. Ein langes Senkruder sorgte für die Steuerung. Notfalls konnten Ruderknechte die Fahrt unterstützen.



Erster Dampfer

Bis die ersten Dampfschiffe aufkamen, hatte die Treidelschifffahrt das Sagen am Rhein. Schiffe wurden mit Pferden auf dem Leinpfad bergwärts gezogen.
1816 befuhr ein englisches Dampfschiff als erstes den Rhein, 1825 fuhr der erste Dampfer "Rhein" bis Straßburg. Am 1. Mai 1827 startete ein in Holland mit preußischem Geld gebautes Dampfschiff die Linienfahrt Köln-Mainz. Haniel und Stinnes setzten für ihre Kohletransporte die neuen Schleppdampfer ein.
In der Anfangszeit der Dampfschifffahrt gab es hier am Mittelrhein noch keine Eisenbahn. Der Raddampfer wurde ein wichtiges Verkehrsmittel. Die Anzahl der Passagiere stieg schnell:
1827 18000 Passagiere,
1837 150000 Passagiere,
1840 636000 Passagiere,
1856 über 1 Million.
Auf der Strecke Köln-Mainz zahlte man 1827 sieben Taler, soviel verdiente ein gelernter Arbeiter. 1849 vier Taler, bei Hin- und Rückfahrkarte 6 Taler. 1829 befuhren mehr als 16 000 englische Touristen den Rhein.
Die Treidelschifffahrt war ernsthaft gefährdet. Im April 1848 griffen die Rheinhalfen aus Existenzangst zu den Waffen und beschossen die vorbeifahrenden Dampfschiffe.







Lokalschifffahrt und Fährmänner

Trotz des ganzen Fortschritts, war es früher eher möglich auf die andere Rheinseite zu gelangen als heute. Um 1930 existierte in Braubach noch eine Staatsfähre. Auch nach dem zweiten Weltkrieg gab es Fährmänner, die für wenig Geld eine Überfahrt ermöglichten. Für Braubach war der Fährmann in Spay zuständig.
In meiner Kindheit nannte man ihn: "Spayer Hännesje". Wollte man übersetzen, brauchte man nur an den Rhein zu gehen und laut zu rufen: "Fährmann hol´ über"! Stell dich heute mal an den Rhein und ruf das.


Staatsfähre



Erstes Auto

Bis Ende des 1800 Jahrhunderts wurden die täglichen Wegstrecken zu Fuß erledigt. Arbeiter die aus den umliegenden Gemeinden sogar aus Marienfels zu Fuß zur Blei- und Silberhütte kamen, waren außer ihrer zwölfstündigen Arbeitszeit noch einige Stunden für den Hin- und Rückweg außer Haus. Für Transporte aller Art wurde das Pferdefuhrwerk benutzt. Die ersten brauchbaren nicht für jedermann erschwinglichen Fahrräder mit Kettenantrieb kamen erst 1878.
1876 war es soweit, Nicolaus August Otto aus Holzhausen a. d. Heide stellte nach unendlich vielen Versuchen seinen neuen Viertaktmotor vor, der das Verkehrswesen revolutionierte. Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach arbeiteten bis 1882 zunächst als technische Leiter mit, sie machten sich dann selbstständig und entwickelten in einem Gartenhäuschen in Stuttgart-Bad Cannstatt das erste Automobil. 1902 stellt er als erster ein Automobil in Serie her. Erst das Auto ermöglichte die individuelle Fortbewegung von vielen Menschen, sowie den schnellen Transport von Gütern. Natürlich waren die Verkehrswege dafür noch nicht geschaffen, aber der Fortschritt war nicht mehr aufzuhalten und hat auch in Braubach Einzug gehalten. Zunächst waren es Transportfahrzeuge für Güter. 1929 gründete Wilhelm Michel mit einem Horch eine Spedition für den Fern- und Nahverkehr. Dann entdeckten auch einige etwas besser betuchte Einwohner den Nutzen des Automobils. Die städtische Verwaltung in Braubach blieb nicht untätig und erweiterte fortgesetzt die vom Bürgerverein begonnenen Anlagen, legte Bürgersteige an und verbesserte die Straßen. Damals gab es allerdings noch keine Teerbeläge und keine Trinagen, die Straßen wurden noch mit der Hand gepflastert.



Erste Tankstelle

Nachdem der Kraftverkehr immer mehr an Bedeutung gewann, wurde 1925 von Karl Nicolai die erste Tankstelle in Braubach eröffnet. Diese befand sich links von dem heutigen Cafe Marksburg.

Die zweite folgte 1927 in der Lahnsteiner Staße bei der 1929 gegründeten Spedition Michel.

Die ersten Kraftpostlinien wurden eröffnet. Karl Nikolai zunächst mit einem Omnibus vertreten, gründete die Braubacher Kraftverkehrsgesellschaft.

Erst 1934 erreichte die rechtsrheinische Straße (heute B 42) den Stand einer Landstraße und diente neben militärisch-strategischen Überlegungen vor allem der Belebung von Industrie und Handel. Daneben sollte die Arbeitslosigkeit vor allem im Bereich der industriearmen Gegenden behoben werden. Auch die königlich-preußische Post sollte durch schnellere Beförderungszeiten davon profitieren.




Rechts im Bild: Elisabeth Gemmer geborene Nicolai vor der Tankstelle ihres Vaters


In den Kriegsjahren ist der Privatbesitz des Pkw zum Erliegen gekommen, die Fahrzeuge wurden beschlagnahmt und für militärische Zwecke genutzt. Einen großen Einbruch hatten natürlich auch die gewerblichen Spediteure, es gab 1943 kaum Benzin und Diesel. Die Fahrzeuge mussten auf Holzvergaser umgestellt werden. Erstens war der Laderaum damit nur zur Hälfte nutzbar, die andere Hälfte benötigte das Holz, zweitens war die Reichweite begrenzt und immer wieder musste die Fahrt wegen Holznachlegen unterbrochen werden.

In der Charlottenstraße 1a wurde um 1950 eine Autokarosseriewerkstatt eröffnet. Und wer denkt, daß dort viel geschweißt wurde, irrt. Die Werkstatt glich eher einer Schreinerei. Alle Aufbauten wurden aus Holz gefertigt. Passierte ein Unfall, gab es kein verbeultes Blech, Holzsplitter lagen auf der Straße.

Obwohl die Verkehrsdichte gering war, gab es vergleichsweise viel mehr spektakuläre Unfälle als heute. Das lag aber nicht nur an der technischen Ausrüstung der Autos, vielmehr am Straßenbau. Die Straßen waren gepflastert. Damit der Regen ablaufen konnte war die Fahrbahndecke gewölbt. Auf der Lahnsteinerstraße zwischen Hotel Rheintal (Teilabschnitt heute: Heinrich Schlusnus Str.) und Blosberg waren zahlreiche Unfälle auch mit tödlichem Ausgang zu verzeichnen. Auf diesem Straßenanschnitt war Blauasphalt verlegt. Bei einsetzendem Regen glich diese Straße einer Rodelbahn. Immer wieder fanden sich Autos auf dem Dach liegend, auf Bahngebiet wieder.

Heute ist es mit der Ruhe vorbei, abgesehen von den vielen PKW, fährt heute der ganze Schwerlastverkehr, der früher über Nassau auf die Bäderstraße fuhr, durch Braubach.
Für eine mögliche Umgehung, hat man kein Geld.



Erste Post

Postdienste gab es schon früh in Braubach, z.B. eine Herzoglich-Nassauische Telegraphenstation, eine Postexpedition, diese waren jedoch noch nicht die uns heute bekannten Postämter. Telefone kamen auch erst später, 1928 wurden die ersten Telefonnummern in Braubach vergeben. Hotel Först Kaiserhof hatte damals die Rufnummer " 1 ", Hotel Hammer die " 3 ". Vorwahlen gab es nicht, das Fräulein vom Amt musste die gewünschten Anschlüsse mit Hand stöpseln. Vor 1959 war nur ein Gespräch pro Leitung möglich. Dann wurde das Kompressionsverfahren eingeführt, das erst ab 1959 eine größere Anzahl von Verbindungen pro Leitung zuließ.

Die Briefe mussten noch mit Pferden befördert werden, Straßen nach den Nachbarorten, wie man sie heute kennt, gab es nicht. Erst 1823 verbreiterte man den Leinpfad bis zum Dinkholder. Den Straßenverlauf nach Dachsenhausen, wie wir ihn heute kennen, wurde erst 1873 ausgebaut. Straßenbau war schon früher sehr teuer, der Belag bestand aus Pflastersteinen, die alle in Handarbeit verlegt werden mussten. Das erste Postamt III. Klasse war von 1875-1916 in der Wilhelmstraße 2, später war auch der Konsum drin, heute Cafe Maas. 1898 baute die Post gegenüber dem Bahnhof ein eigenes Gebäude (siehe unten, links im Bild), verkaufte dieses allerdings Jahrzehnte später wieder (heute Apotheke). Sie mietete sich im ehemaligen Hotel Kaiserhof ein, bevor sie für immer die Pforten schloß. Heute befindet sich in einem Schreibwarengeschäft eine Postagentur.



Postgebäude



Briefmarke von 1868





Briefmarke von 1877 Briefmarke von 1879


Unten: Briefmarken von Thurn & Taxis Jahr 1875 - Stempel von Braubach-





Einmal Soli immer Soli

Zwischen dem 1. Dezember 1948 und dem 31. März 1956 mussten alle Postsendungen innerhalb der Bundesrepublik zusätzlich zur normalen Frankatur mit einer Notopfermarke frankiert werden. Es handelt sich also um so genannte Zwangszuschlagsmarke. Der Wert dieser Marken betrug 2 Pf. Zum Vergleich: ein Fernbrief kostete damals 20 Pf.

Innerhalb der fünf Jahre des Verwendungszwangs wurden über 17 Milliarden Marken verkauft. 340 Millionen DM gingen auf diese Weise nach West-Berlin.


Die Westalliierten führten nach dem Krieg in Deutschland ein Postleitgebiet ein, Braubach erhielt die Nummer 22b. Allerdings bezog diese Zahl sich nicht allein auf Braubach, sondern auf die gesamte Besatzungszone. Später führte die Deutsche Bundespost 4stellige Postleitzahlen ein, Braubach bekam die Zahl 5423 und nach der Wiedervereinigung eine 5stellige 56338. Das Bild zeigt einen Sonderstempel Braubach aus dem Jahre 1955


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