Braubachs Geschichte



Brubach

Der frühere Name Brubach leitet sich aus dem vorgeschichtlichen Gewässername Bru ab und bedeutet Sumpf-, Schmutz-, oder Moderwasser, verwandt mit Brühe. Bis 1902 floß der Großbach offen durch die Stadt.
Die älteste Geschichte von Braubach ist in mannigfaches Dunkel gehüllt, da meist nur von urkundlich nachgewiesenen Ereignissen berichtet wird. Da das einfache Volk weder des Lesens noch des Schreibens fähig war, ist es nicht verwunderlich, dass uns so wenig aus der damaligen Zeit vorliegt und so stützen sich die Heimatforscher auf Ausgrabungen, Urkunden und amtliche Dokumente. Von den amtlichen Dokumenten der Stadt ist uns nicht viel erhalten geblieben, da die meisten Unterlagen bei den Rathausbränden vernichtet wurden. Der erste große bekannte Brand war 1613 in der Karlstraße, wobei auch das Rathaus vernichtet wurde. Das Rathaus wurde nach 3jähriger Bauzeit wieder neu aufgebaut, es ist am 9. Januar 1884 erneut durch Feuer zerstört worden. In früheren Jahrhunderten hat es in Braubach viel gebrannt. Ganze Straßenzüge im Stadtkern wurden Raub der Flammen. Man muss bedenken, dass die Fachwerkshäuser nur aus Holz, Lehm und Stroh gebaut wurden und selbst die Dächer wurden nur mit Stroh abgedeckt, erst ab 1850 wurde der rheinische Schiefer genutzt.
Der Name Braubach früher Brubach tritt erstmals nachweislich in einer Schenkung eines Weinbergs im Jahre 691 auf und ist urkundlich belegt. Der Ort hat natürlich viel früher bestanden, denn der Weinbau wurde von den Römern an den Rhein gebracht. Es gab kaum einen Römer, ob reich oder arm, der keinen Wein trank.
Verständlicher wird es, wenn man bedenkt, dass der rote und weiße Rheinwein hier bereits zu dieser Zeit eine derartige Qualität erreichte, dass zahlreiche auswärtige Kirchen vom Königtum Weinberge als Geschenk erbaten.

Interessant ist auch, daß es immer die Kirchen waren, die sich intensiv mit dem Weinbau und der Braukunst des Bieres beschäftigten und sich vom Landesfürsten Schenkungen von Weinbergen erbaten. Der Grund war auch, daß man ein wohlschmeckendes Getränk suchte, da Mahlzeiten in der Fastenzeit ziemlich karg waren. Es galt "Liquia non frangunt ienum", flüssiges bricht das Fasten nicht. Chroniken berichten, daß es Mönchen erlaubt war, bis zu 5 Liter am Tag zu sich zu nehmen.
Auch in der Folgezeit gab es in Braubach immer wieder Schenkungen, das Kloster Prüm hatte 886 in Braubach Landbesitz. Im Jahre 933 tritt uns eine entgegen, in der es heißt: " Es wisse sowohl die gegenwärtige, als auch die zukünftige Zeit der heiligen Kirche Gottes, wie Wildrud, die Mutter Konrads, mit Hilfe eben dieses ihres Sohnes Konrads zu ihrer und ihrer Eltern Seelenheil den ganzen Zehnten in Brubacher (Braubacher) Mark einen Mansus, einen Weinberg und ein Hofgut, sowie den ganzen Zehnten desselben Ortes dem Kloster der hl. Märtyrer Marcellinus und Petrus geschenkt habe, welches gelegen ist in Ober-Mulnheim, das jetzt heißt Seligenstadt.“
Mansus (von Manere), war Mittelpunkt eines Gutes von 30 Morgen Ackerland, ein Hof und eine Hofraite. Die Häuser, die sich in einem engeren Bezirk darum sammelten und aus dem ersten Hof gleichsam heranwuchsen, bildeten eine Mark, daher der Name "Brubacher–Mark".

Im Jahre 973 schenkte Kaiser Otto II. dem Kloster Hilwartshausen Weinberge mit den dazugehörigen Höfen und Einwohnern.
Werner IV. schenkte 1111 dem Erzbischof Adalbert I. von Mainz u.a. halb Braubach. 1138 tat dies Ludwig I. von Thüringen mit der anderen Hälfte. Gräfin Kunigunde, die Mutter seiner Gattin [Hedwig] übergab ein Gut in Braubach an die Abtei Siegburg. Das beweißt also, daß hier eine Erbteilung zwischen den Grafen Werner und den Bilsteinern erfolgt ist.
Damit ist die Liste keineswegs erschöpft, im 13. Jahrhundert finden wir eine ganze Reihe von Klöstern als Weinbergsbesitzer in Braubach vertreten.
Konrad, als dessen Mutter hier jene Wildrut sich bezeichnet, war allem Vermuten nach der bekannte Gallier Konrad Kurzhold, der Graf des Niederlohngaus, der bei der Empörung seines Vetters Eberhard treu auf Seiten des Kaisers Otto I stand und hauptsächlich den Aufstand mit beendigen half, in kirchlicher Beziehung nach besonders bekannt als Erbauer des Limburger Doms, in dem er auch begraben liegt. Da jener Konrad Graf des Niederlohngaus und als solcher im Besitz von Lahnstein, der Brubacher Mark und Diez war, so wurde eine weitere Bezeichnung desselben seitens seiner Mutter in jener Urkunde kaum nötig erfunden, wie dieselbe auch veranlasst war, nach dem Namen ihres Sohnes sich näher zu kennzeichnen, da ihr Gatte Eberhard schon 902 in einer Fehde gefallen, sie darum Witwe war. Im Jahre 1012 bestätigte Kaiser Heinrich II., der Heilige, nachträglich noch auf Bitten der Klosterbrüder von Seligenstadt diese Schenkung der Wildrut, bzw. die Zehntung in der ganzen Brubechermark. Noch 1310 finden wir Klöster in unserer Gemarkung begütert.
Die erste geschichtliche Nachricht über "weltliche" Besitzer führt uns ins 13. Jahrhundert.
Bezeichneterweise ist es wiederum der Besitz eines Klosters Eberbach, der den Anlass gibt zu der interessanten Urkunde. An sich besagt sie nur, daß ein Einwohner von Braubach, Heinrich Stamelart, dem Kloster Weinberge bei der Quelle zu Dinkholder und bei der Mühle für 78 Mark verkauft hat und daß die Übergabe vor der Gerichtsversammlung zu Osterspei und ferner zu Boppard erfolgt ist. Dann müssen aber Bedenken aufgetaucht sein, ob nicht eine Schwester des Verkäufers auf die genannten Weinberge Ansprüche geltend machen könnte. Um das zu verhindern, wendet sich das Kloster an die zuständigen Landesherren. Als solche erscheinen in der Urkunde Gerhard von Braubach und sein Bruder Gottfried als Besitzer der Burg (nachmals Marksburg genannt) und des Ortes Brubach. Daß das aber niemand anders ist als die sehr bekannten Brüder, die Edlen Herren Gerhard und Gottfied II. von Eppstein, derer jüngerer Bruder Siegfried 1231 Erzbischof von Mainz wurde, geht aus dem anhängenden Siegel hervor, dessen Umschrift lautet: S. Gerhardi de Eppenstein. Braubach war also unter der Herrschaft der Eppensteiner eines der mächtigsten rheinischen Dynastiengeschlechter damaliger Zeit.
Graf Gottfried von Eppenstein ließ sich 1276 für den Ort Braubach vom Kaiser Rudolf Stadtrechte erteilen, wie dies auch später von dessen Nachfolgern 1294 und 1300 geschah. Die Urkunde hierüber befand sich damals im Archiv des Grafen von Stolberg in Wernigerode. Aus Anlaß des 650jährigen Bestehens der Stadt Braubach hat sich die Stadt eine Photographie dieser Urkunde beschafft. Die Urkunde selbst war nicht zu erlangen. Das 700jährige Bestehen wurde 1976 mit einem großartigen Programm gefeiert.
Siehe Bild unten.



700 Jahrfeier

1976 Die Feierlichkeiten zu diesem Ereignis bleiben für uns unvergessen.



Die Verleihung der Stadtrechte durch den Kaiser war natürlich an Vorraussetzungen gebunden, es war nicht die Größe der Gemeinde allein entscheidend, vielmehr was sie zu bieten hatte. Braubach hatte einiges davon, vor allem Silber in der Erde.
Graf von Gottfried von Eppenstein und später Landgraf Moritz von Hessen Cassel zählten in der damaligen Zeit mit zu den reichsten Fürsten. Zu diesem Reichtum hatte Braubach in gewissem Umfang beigetragen. Natürlich provitierte auch Braubach von den Stadtrechten, der Fürst erließ Sonderregelungen, die anderen Gemeinden vesagt blieb.
Mehr dazu wird im Absatz "Bergbau" beschrieben.

Schon 1262 hatte König Wilhelm von Holland den Grafen Hermann von Henneberg mit dem Zoll zu Braubach belehnt, der aber wegen der ungünstigen Lage des Ortes, des Mangels eines Landeplatzes für größere Schiffe nie irgend welche Bedeutung hatte. Den 17. Oktober 1283 trat Gottfried mit Zustimmung seiner drei Söhne den Ort und die gleichnamige Burg, unter der Form eines Lehens an Hermann von Marterod und Heinrich von Allendorf ab; die von den Herrschaften Wied und Eppstein abhängenden Vasallen und Ministerialien, namentlich den Ludwig von Are, Jakob von Hunesweyn, Siegfried Schenk von Sternberg und Friedrich von Schönberg sich vorbehaltend. An dem selben Tage erlaubte er dem Grafen Eberhard von Katzenellnbogen, dem Gatten seiner Tochter Elisabeth von Eppenstein, die zur Burg und Stadt gehörigen Lehen, die jene eben genannten Ritter pfandweise inne hatten, von denselben sich einzulösen. Seit dieser Zeit treten die Eppensteiner hier ab, und die Grafen von Katzenellnbogen treten an ihre Stelle als Besitzer des Ortes und der Burg. Dem Grafen Eberhard, der auf der Brubacher Burg seinen Wohnsitz nahm, verdankt Braubach sehr viel. So verlieh Rudolf von Habsburg am 2. Juni 1288 auf Bitten des Grafen Eberhard von Katzenellnbogen, "seines lieben und treuen Vertrauten von erprobter Rechtschaffenheit", der demselben unterthänigen Stadt Braubach einen Wochenmarkt und alle Rechte der Reichstadt Oppenheim. Im Jahre 1293 belehnte Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein, den Grafen Eberhard mit der Burg Braubach und der darunter gelegenen Stadt. Am 12. November 1301 gab Kaiser Albrecht demselben das Recht, für sich und seine Erben eine Meile Wegs in die Weite Breite und Länge von ihrem Schloss Braubach ringsumher bis auf die Ufer des Rheins Silberbergwerk und andere Erze und Metalle zu erbauen.



Grafen von Katzenellnbogen

Im Jahre 1272 verheiratete Herr Gottfried III. von Eppstein seine Tochter Lysa mit Herrn Robin von Covern und verschrieb ihr 70 Mark Renten auf seine Herrschaft Wied oder zu Braubach; wie spätere Urkunden erweisen, kam hierdurch in der Tat Besitzungen zu Braubach in die Hände des Herren von Covern. Elf Jahre später sah sich Gottfried genötigt, den alten wertvollen Familienbesitz zu Braubach, die Burg Braubach und den St. Petershof, den er dort von Pfalzgrafen zu Lehen besaß, ganz zu veräußern, und zwar an den Grafen Eberhard von Katzenellnbogen, den Gemahl einer Tochter von Gottfrieds richtigem Vetter, Gerhard III. von Eppstein. Solch eine wichtige Veräußerung geschah nicht ohne die Zustimmung des einflußreichsten Mitglieds der Familie, des Erzbischofs Werner von Mainz. Dieser stellte die Bedingung, daß Graf Eberhard das Schloß Braubach weder an den König Rudolf noch an den Pfalzgrafen Ludwig veräußern dürfe. Derselbe Erzbischof Werner von Mainz tritt noch einmal im Zusammenhang mit der Schloss-Burg Rhinberg in Erscheinung. Graf Eberhard war ein kluger und tapferer Mann, der sich mit großem Geschick durch die Wirren nach König Rudolfs Tode durchzuwinden wußte. Wie König Rudolf, bestätigte ihm auch König Adolf 1294 -der übrigens sein Schwestersohn war- das Stadtrecht von Braubach, mit der Bedingung freilich, daß er keine nassauische Hörige in die Stadt aufnehmen dürfe. Dagegen darf er "auf jedem Mittwoch einen Wochenmarkt halten", auch erhielt der Graf "des Reiches sicheres Geleit"!
Am 10. August 1312 starb Graf Eberhard I., der Stifter der Neukatzenellnbogischen Linie. Ein Nachkommen jenes Grafen Eberhard Johann III. (1383-1444), der Erbauer der Burg Katz bei St. Goarshausen, vereinigte durch seine Heirat mit Anne, der Erbin von Altkatzenellnbogen, die gesamten Katzenellnbogischen Lande, die vom Jahre 1245 an sich getrennt hatten, in seiner Hand. Durch Erbschaft und vorteilhafte Käufe vergrößerte er seine Erblande so, dass ihn die Reichsmatrikel von 1422 den dritthöchsten deutschen Grafen nennt. Seine Grafschaft umfasste 225 Ortschaften, 11 Schlösser und 9 Städte.
König Rubrecht von der Pfalz als Lehnsherr von Braubach weilte im Oktober 1407 etliche Tage bei ihm auf der Braubacher Burg. Philipp der Ältere, der Sohn Johanns, "die allgemeine Geldquelle am Rheinstrom" stiftete 1437 auf der Burg Braubach eine Kapelle mit einem Altar des heiligen Markus, nach der die Burg, die seither den Namen "Brubacher Burg" geführt und deren Alter nicht zu bestimmen ist (auf ihr soll der Sage nach 1056-1106 Kaiser Heinrich IV. von seinem Sohne gefangen gehalten worden sein oder nach seiner Absetzung zu Ingelheim 1105 zunächst Schutz gesucht haben) hinfort Marksburg oder Marxburg genannt wurde. Nach dem Fall Konstantinopels im Jahre 1453 wurden die westwärts vorstoßenden türkischen Heere zu einer ständigen Bedrohung. Zu diesem Zwecke wurde von der Bevölkerung der "Gemeine Pfennig" oder auch Reichspfennig erhoben, um die Türkenkriege zu finanzieren. Da der einzige Sohn Philipp des Älteren, Philipp der Jüngere, schon vor seinem Vater starb, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen, gingen mit dem Tode Philipp des Älteren 1479 alle Katzenellnbogischen Länder an den Gemahl seiner einzigen Tochter Anne, den Landgrafen Heinrich IV von Hessen über, welchem Hausbesitz, auch in Braubach mehr als drei Jahrhunderte, bis 1803 verblieb. Schon 1483 folgte Heinrich IV. seinem Sohn Wilhelm III., und als dieser 1500 ohne männliche Erben starb, nahm Wilhelm II. von Hessen, von allen Landen seines Vetters Besitz und behauptete sich in seinen Eroberungen. Sein Sohn ist der berühmte Philipp der Großmütige, der in Braubach, wie in allen seinen Gebietsteilen, die Reformation einführte.



Schloss-Burg Rhinberg

Fest steht, daß die Stammburg des adeligen Geschlechts Friedrich de Rinberg auf einem der Marksburg gegenüberliegenden Hügel in der Gegend des jetzigen Kirchenbauplatzes stand.
Anmerkung: Wenn hier von jetzigem Kirchenbauplatz die Rede ist, handelt es sich um den geplanten Neubau der katholischen Kirche, etwa auf dem Gebiet des heutigen Hotel Rheinberg. Diese Absicht wurde später fallengelassen, nachdem die evangelische Kirche einen Neubau auf der gegenüberliegenden Seite plante.

Aber um die Zerstörung ranken sich folgende Legenden:

1.
Die folgende Einträge von Pfarrer und Decan J. Wilhelmi mit Ausführungen von Metropolitan Vietor werden auch von Hellmuth Gensicke in seinem Buch übernommen.

2. Weiter unten steht ein Bericht von Geheimrat Bodo Ebhardt von 1935.


1. Pfarrer und Decan J. Wilhelmi und Metropolitan Vietor

Von Überresten und Trümmern der wahrscheinlich durch Philipp des Älteren von Katzenellnbogen um 1460 zerstörten Burg Rhinberg findet sich jetzt keine Spur mehr, während noch 1682 der Metropolitan Vietor hierüber in das Kirchenbuch folgenden Eintrag macht:
„Arci Marxburg vicino in monte videntur adhuc rudera dicti castri Rhineberg et Remmerg ab incolis vocati. In hujus etiam montis pede, vincis jam culto, ubivis exstant dirutarun aedium vestigia.“
"Auf einem der Marksburg nahe liegenden Hügel sieht man noch zerfallenen Mauerstücke der Schloßburg Rhinberg von den Einwohnern „Remmerg“ genannt. An dem Fuße jenes Berges, der schon allenthalben von Weinstöcken bepflanzt ist, finden sich noch überall Spuren von zerstörten Gebäuden“.

Eben derselbe Friedrich de Rhinberg wird auch mit als Stifter der hiesigen Capellanei aufgeführt. 1341 wird ein Friedrich von Rinberg als Burgmann des Kurfürsten Balduin auf Stolzenfels wegen eines Wingerts am Mühlenberg bei Braubach, den er an diesen verkauft, genannt. Die weitere Geschichte derer von Rinberg verliert sich danach mehr und mehr im Dunkeln. Um das 15. Jahrhunderts werden noch Herren von Rinberg als in der Braubacher Gemarkung eigentumsberechtigt mehrfach in älteren Urkunden der Kirche und Pfarrei Braubach genannt; doch wird bloß das Eigentum der "Herren von Rinberg“ aufgeführt; es bringt aber keine Urkunde mehr sie als Glieder der Gemeinde einzuordnen, so dass sie um die Mitte des 15. Jahrhunderts nicht mehr in Braubach wohnten. Offenbar war schon in früherer Zeit ihre Stammburg nicht mehr in ihren Händen. Aus einer Urkunde von 1315, in der Eberhard Brenner von Lahnstein sich verpflichtet, "dass im Falle Graf Gerlach und Wallrah von Nassau das Haus Rheinberg in der Zeit, wo die Briefe darüber melden, wiederlösen wollten, er es ihnen alsdann zu lösen geben werde, verstünde es aber Graf Wilhelm von Katzenellnbogen, so wolle er es diesem überlassen,“ geht hervor, dass die Herren von Rinberg die Burg ihrer Väter im Anfang des 14. Jahrhunderts nicht mehr besaßen. Auch in späterer Zeit ist die Burg nicht mehr in die Hände ihrer ehemaligen Besitzer gekommen, da 1463 Friedrich von Stein für sich und sein Haus auf allen Anspruch an Graf Philipp von Katzenellnbogen inbetreff des in dem Mainzer Krieg an seiner Burg Rheinberg zugefügten Schadens verzichtet, und das der Gnade wegen, die ihm der Graf an seinem Hofe in Frücht gethan. So war es als Philipp von Katzenellnbogen 1460 die Burg beschädigte oder wahrscheinlich zerstörte, dieselbe im Besitze derer von Stein gewesen. Nachkommen des oben genannten Fr. von Rinberg scheinen ein Rittmeister Philipp von Rinberg und ein Fähnrich Georg von Rinberg gewesen zu sein, die in der Schlacht von Sievershausen 1563 fielen, wie wahrscheinlich als der Letzte dieses Stammes Thomas von Rhinberg, vermählt mit Babara von Klingelbach, die 1590 starb. Das Wappen derer von Rinberg war eine rote Binde im silbernen Feld.

In der St. Barbara Kirche steht ein Denkmal mit folgender Inschrift:
„Anno Dni M.C.C.C.X.C..V.I. XX die mensis Februari obiit Dominus Dideric de Rinberg, miles. Anno vero Dni M.C.C.C.XC XV die mensis Maji obiit Domina Utilia uxor sua. Hie sepulti. Animae eorum in pace requiecant. Amen.“
(Im Jahre des Herrn 1396 am 20. Februar starb der Ritter, Herr Diderich von Rinberg, und im Jahre des Herrn 1390, am 15. Mai starb seine Gattin, Frau Utilia. Sie sind hier begraben. Ihre Seelen in Frieden. Amen.)


2. Bodo Ebhardt schreibt 1935
Erzbischof Werner von Mainz ließ 1273 das Schloß Reinberg gegenüber der Marksburg als ein Raubnest zerstören, „dessen Merkzeichen man noch 1697 siehet“. Die Lage ist heute noch bestimmbar.
Am 14. Juli 1280, wird die Burg Rinberg nochmals erwähnt. Die Belagerung und Zerstörung hat einen erhöhten Aufwand erfordert, zu dem der Graf Katzenellbogen und zwei andere 1000 Mark vorgeschossen. Am 17. Dezember 1281 bestimmt dann König Rudolf, daß den Geldgebern diese Summe aus einem Zoll zu Boppard erstattet werden solle. Vielleicht wurde aber auch um diese Schuld abzudecken, die Marksburg den Katzenellbogen als Gegenwert übergeben. Lag sie doch nach dem Mittelpunkt der Macht des reichen Grafenhauses viel näher als dem Mainzer Bischofsitz. Zunächst belehnte Herr Gottfried zwei Katzenelnbogische Lehensleute, die Ritter Hermann von Marterode und Heinrich von Aldendorf, mit Burg und Stadt Braubach mit allen Rechten und Zubehör, mit Ausnahme der Stücke, die pfandweise im Besitz von Lehensleuten und Ministerialen der Grafschaft Wied und der Herrschaft Eppstein waren. Im Jahre 1300 nahm Graf Eberhard den Ritter Friedrich von Rinberg gegen quadraginta marcas zum Burgmann des Schlosses Braubach. Die Familie von Rinberg ist sehr lange in Braubach heimisch gewesen. Daß sie aber in unmittelbarer Nähe der Marksburg die oben schon als 1273 zerstört erwähnte eigene Burg Rinberg besessen, Graf Philipp von Katzenelnbogen diese also um 1460 nochmals zerstört haben soll, erscheint wenig unwahrscheinlich.

Anmerkung:
Wenn es auch 1682 heißt, es wären noch Reste des Gebäudes zu sehen, so kann es sich nicht um nennenswerte Ruinenteile gehandelt haben, denn Landgraf Moritz erließ 1553 eine Anordnung, daß die Erbauer neuer Häuser vorrangig Baustoffe und gebrauchte Holzbalken und Bretter aus alten Häusern und Ruinen wiederverwenden müssten. Für die Unterthanen gab es nun auch schlimme Zeiten, sie mussten für Brennholz wesentlich mehr zahlen. Die Ziegenhaltung wurde verboten, damit diese nicht die heranwachsenden Jungpflanzen abfressen konnten. Man kann sich vorstellen, daß bei diesen Bedingungen nur wenig von der Rhinburg übrig blieb.



Reiche Bürger

Gehen wir nun zu der Geschichte Braubachs unter den Grafen von Katzenellnbogen, unter denen Braubach in mannigfacher Beziehung Veränderungen erlitt und glanzvolle Zeiten erlebte, zurück.
Der lange Frieden bewirkte, dass Braubachs Bürger bis zum Jahre 1618 an sich als wohlhäbig galten.
Die Häuser waren zwar nur von Holz und Lehm, aber sie waren nicht arm an Hausrat und Behagen. Auch an der Ernährung mangelte es nicht. Da im Winter das Viehfutter knapp war, wurden die meisten Schweine in den Monaten November und Dezember geschlachtet. Dabei unterscheiden sich die mittelalterlichen Schweine nicht nur äußerlich, sondern auch gewichtsmäßig von den unsrigen. So brachten die ein- bis eineinhalbjährigen Schweine damals im Durchschnitt ein Schlachtgewicht von 38 kg auf die Waage (heute: 100 kg). Außerdem glichen sie mit ihrem braunen Borstenkleid, ihren hohen Beinen und ihrem langgestreckten Rüssel eher unseren Wildschweinen als unseren heutigen rosaroten, kurzbeinigen und fetten Hausschweinen. Als Schlachtvieh waren sie sehr beliebt, da sie nicht nur alles fraßen und keine hohen Futteransprüche stellten.
Während dieser Zeit stand als Geistlicher hier der reformierten Lehre anhängender Nachfolger Erlenbachs Mag. David Wiederholt. Die Kostenrechnungen aus der Zeit seiner Amtsführung geben uns einen in mannigfaltiger Beziehung lehrreichen Einblick in die damaligen Zeitverhältnisse. Der Wert des Geldes war ein sehr hoher; z.B.: 2 albus vor zwo Fenster Rhamen zu machen uff Sankt Memens, 1.fl. vor die Fenster drinn zu machen, 2 albus vor ein Schlüssel in´s Spital machen lassen, 1 fl. 6 alb. Vor einen Disch in die Schul machen lassen. Ein mildthätiger Sinn gegenüber dem Elend, das schon vielfach in Deutschland herrschte, fand sich in der Gemeinde. Die Kastenrechnungen weisen Tag für Tag Almosen auf, welche Armen, besonders um des Glaubens willen, Vertriebenen gegeben wurden, z.B. „5 alb einem Vertrieben, 4 alb. einem von Adel beigesteuert, 3 alb. einem armen Pfarrherrn, der von den Jesuitern vertrieben, 4 alb. zwei Aussätzigen gegeben, ist einer blind gewesen, 3 alb. einer armen Frau, welche mit dreien Kindern wegen des Krieges vertrieben, usw.“
1 alb. = circa 7 Pfg. also nach dem damaligen hohen Geldwert nicht geringe Spende.
Bald aber änderte sich dieser Zustand der Ruhe, des Friedens und äußeren Wohlstandes für unsere Stadt. Der 30jährige Krieg hatte 1618 begonnen und sollte erst 1648 enden.



30 jähriger Krieg

Von den Drangsalen des 30 jährigen Krieges war Braubach gegenüber andern Gemeinden vorläufig noch weniger unmittelbar berührt. Wohl schlugen schon die ersten Wellenschläge, die drohend das große Elend, welches über die Gemeinde kommen sollte, an seine Ufer. Schweren Kosten welche die Verproviantierung der Burg 1626 verursachten, in den Kontributionen (Kriegssteuer) und Brandschatzungen, welche die Bewohner von Braubach bei den endlosen Truppendurchmärschen, besonders bei den Zügen Görzenichs des wilden Generals Wallensteins, der 1627 die Gemeinden an Rhein und Lahn furchtbar ausplünderte, den Durchzügen der Spanier 1620 und 1632, da den misshandelten Bewohnern das letzte abgepresst ward. Darmstadt trat auf Seite des Kaisers und der katholischen Fürsten, wohl um des Kaisers Fürsprache bei der bevorstehenden Urteilsfällung in seinem Prozess gegen Cassel zu gewinnen, wie denn auch 1623 Darmstadt die ganze Marburgische Erbschaft. Sowie die Niedergrafschaft Katzenellnbogen zuerkannt wurde. Diesen Urteilspruch erkannte Cassel nicht an, mitten in dem Wüten des 30jährigen Krieges wurde die Privatfehde zwischen Darmstadt und Cassel ausgefochten. 1623 besiegte Tilly den mit Christian von Braunschweig verbündeten Landgrafen Moritz und nahm von seinem Lande Besitz, Moritz in die Unmöglichkeit versetzt, seinen Unterthanen und seinen Glaubensgenossen durch sein Bleiben weiter zu helfen, ging eine Zeit lang außer Landes, bis er dann nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge 1626 die Durchsetzung des Reichgerichtsbeschlusses erleben musste. Georg II. von Darmstadt, der Sohn Ludwig V. verschaffte diesem Beschluss gewaltsam Geltung, indem er mit spanischen Truppen die ganze Niedergrafschaft in seinen Besitz brachte, St. Goar plünderte und den Rheinfels unter seinem tapferen Commandanten Johann von Uffeln stürmte.
Die Bewohner der Marksburg hatten schon vor der 6 Wochen dauernden Belagerung von Rheinfels gehuldigt*), so dass Braubach und die Marksburg keine Belagerung erlitten.

*) Anmerkung:
Wenn heute im Zusammenhang mit der Burg vielfach der Ausdruck "uneinnehmbar", "unzerstört" usw. verwendet wird, ist es diesem Wort "gehuldigt" zu verdanken.
Huldigen ist eine Verhaltensweise, die ein bestehendes Vertrauens-, Gemeinschafts- oder ein Zugehörigkeitsverhältnis voraussetzt.



Pest in Braubach

Die Kirche sah die Pest nicht als Strafe Gottes und lehrte, dass sie auch nichts mit dem Satan zu tun habe. Ihre Aussage war, dass es Menschen waren, welche die Brunnen vergifteten. Ein Sündenbock, den sie hierfür verantwortlich machen konnten (und wie so oft in der Geschichte) war schnell gefunden, die Juden. Sie wurden beschuldigt die Brunnen vergiftet zu haben. Das führte zu Ausschreitungen und zu Pogromen gegen das Judentum. Die Pest löste damit eine der ersten großen Judenverfolgungen in Europa aus. Die Schrecken und Taten waren unbeschreiblich bestialisch und kaltblütig. Berichte erzählen von hunderten von Menschen, die verbrannt und bei lebendigem Leibe begraben wurden oder man steckte sie in Fässer und versenkte sie im Rhein.


Für die Ursachen der Pest wurden auch verdorbene Winde, ein anderes Mal eine schlechte Sternenkonstellation verantwortlich gemacht. Das berühmte Pariser Gutachten von 1348 erklärte das Auftreten der Sterne damit, dass am 20. März des Jahres 1345 die drei oberen Planeten im Hause des Wassermanns zusammentraten, um eine besonders feuchte und gefährliche Ausdünstung auszustrahlen, die sich in der Lunge zu einer giftigen Materie zusammenballte, die die Pest erzeugen sollte. Andere Mediziner glaubten, dass die Pest wüte, weil es "Frösche und andere Reptilien" geregnet habe.

Durch die im Jahre 1884 stattgefundene Einäscherung des Rathauses in Braubach gingen alle Urkunden, soweit sie die bürgerlichen Verhältnisse der Gemeinde betreffen, zugrunde, und es ist nur noch ein Schöffen- und Gerichtsbuch, beginnend mit Martini 1613, vorhanden, das hie und da dürftige Nachrichten bietet.
Lediglich im Kirchenbuch von 1632 steht als Todesursache: "obiit peste, ut terunt", peste obiit aiunt" (starb an der Pest), (ward auf Befehl des Amtmanns in der Nacht begraben).
Am Beginne des Registers vom Jahre 1632 stehen folgende Worte: "In diesem Jahr sind viel fremde Leute begraben worden, so an der Pest verstorben, die damals übel grassieret".
Dazu kamen Ende März spanische Soldaten wieder in die Nähe der Stadt, plünderten, raubten, mordeten auf dem Lande. Die Bewohner des flachen Landes, wie von Dachsenhausen, Bachheim, Gemmerich, Becheln, Frücht usw., denen Hab und Gut geraubt, das Zugvieh weggetrieben und die Äcker verwüstet worden waren, drängten sich, um nur ihr nacktes Leben zu retten, in Massen in das befestigte Braubach und brachten die verheerende Seuche hinter die Stadtmauern. Braubach hatte über 50% ihrer eigenen Einwohnerzahl an Flüchtlingen aufgenommen.
In den Jahren 1633 bis Anfang 1635 scheint die Pestseuche etwas nachgelassen zu haben. In der ersten Hälfte 1635 starben mehr Leute vom lauernden Feinde als an der Pest. Auf dem "Lahnsteiner Wasem" hatten die Franzosen, die Lahnstein besetzt hielten, spanische Soldaten überfallen und alle niedergeschossen.
Gegen Ende August aber greift die Krankheit rasend um sich, die Totenglocke läutet täglich, ja fast stündlich.
Eine Reihe aus ihren Gemeinden um den Evangeliums willen vertriebener Geistlicher, deren Gemeinden sich zum Teil ganz aufgelöst hatten, flüchteten sich nach Braubach und fanden hier mit ihren hierher gekommenen Gemeindemitgliedern den Tod, so der Pfarrer Pistorius von Dachsenhausen, Pfarrer Wendelin Rhodius von Bachheim, Pfarrer Christopherus Werrerus von Schweighausen, Pfarrer Johann Jakob Werner von Ems, der Diakonus Hien zu Braubach, Pfarrer David Wiederhold.
Vom 1. September 1635 bis zum Ende des Jahres, also binnen 4 Monaten, starben allein 200 Menschen, fast alle an Pest. Das schlimmste Jahr war 1637. Der Glöckner erhält „ wegen vielfachen Läutens“ einen Zuschuss von 3 Thaler, 12 alb. zu seinem Gehalt.

Pfarrer Horresius schreibt im Kirchenbuch:
1630 starben 11,
1631 starben 14,
1632 starben 35,
1633 unbekannt,
1634 unbekannt,
1635 starben 230,
1636 starben 299,
1637 starben allein bis Ende März 203 *),

*) die detaillierte Aufschreibung wird hier unterbrochen, da die Gattin des Pfarrers Horresius ebenfalls an Pest starb.
Erwähnt wird nur, dass in den Folgemonaten an manchen Tagen bis 8 Menschen starben.

1638 starben 11,
1639 starben 14,
1640 starben 15,
1641 starben 10
1642 starb 1

Der Ort war ausgestorben.
Es heißt, dass nach der Pest nur noch 30 Familien sich hier befunden hätten.

Nach der Zahl der Getauften in den Jahren vor Ausbruch der Pest zu rechnen, kann Braubach 880 Seelen gezählt haben, außerdem etwa 400 Flüchtlinge in der Stadt lebten, es war darum, eine furchtbare Sterblichkeit, die den Ort fast völlig entvölkert haben muss. Rechnet man die Jahre 1634, 1635 und den Rest 1637 hoch sind in Braubach über 1000 Menschen an der Pest gestorben.
Ein schweres Amt lag dem Geistlichen ob, in den Tagen äußerer und innerer Bedrängnis standhaft in der Erfüllung seiner Pflicht zu stehen, die ja dem Geistlichen in jener Zeit, in der Glaubenshetze die Brandfackel trug, da der evang. Pfarrer von den kaiserlichen Soldaten am meisten gehasst, am brutalsten behandelt wurde, besonders erschwert wurde. Braubach hatte in dem derzeitigen Geistlichen den rechten Mann. „Horresius“, so schreibt sein Nachfolger von ihm, „ist bis in das 46. Jahr allhier in offcio gestanden und hat viel Kreuz und Trübsal in Kriegs- und Friedenszeiten ausgestanden. Mitten in den schweren Kriegszeiten ward am 25. Juni 1630 die Feier des 100 jährigen Gedächtnistages der Übergabe der augsburgischen Konfession, wie so oft überall im evangel. Deutschland, wo es nur bei den kriegerischen Bedrängnissen möglich war, so auch in Braubach festlich begangen, ein letzter Lichtblick für lange Zeit.



Arme Bürger

Im Jahre 1632 lagerte spanisches Volk unter General Merode in Coblenz, Lahnstein und Braubach, ward aber bald von den Schweden unter General Horn und den Soldaten des Grafen Johann von Idstein vertrieben. So war Braubach von Besatzung wie von Kriegsunruhen bedrängt. Unterdessen hatte im Jahr 1634 der Landgraf Georg II. von Darmstadt das Amt Braubach, umfassend die Orte Braubach, Gemmerich, Dachsenhausen, Bachheim, Ems und Katzenellnbogen, als Oberlehensherr an seinen Bruder Johann für 40.000 Thaler verpfändet.
Um den Jammer noch zu vermehren, kam die furchtbare Kälte des Winters 1634/1635, in dem lange Zeit der Rhein so zugefroren war, dass die schwersten Wagen über ihn fahren konnten und z.B. zur Verproviantierung der Festung Mainz große Wagentransporte mit Gütern, die hier und im Nassauischen geraubt waren, über den Rhein gefahren wurden.
Dabei schwärmten immer noch Kriegsvölker in der Gegend umher und bedrängten die über all dem Unglück ratlos gewordenen Bewohner. Um das Maß des Elendes voll zu machen, bricht noch eine Teuerung aus, gewaltig greift sie in Braubach und Umgebung um sich. Die Preise der Lebensmittel und der Lebensbedürfnisse steigen ins Ungeheure. 8 Thaler wird für Licht in den Abendbetstunden verausgabt, während in früheren Jahren 20 alb. genügten. Der Simmer Korn gibt 1 1/2 bis 2 Taler. Die Belagerung von Ober- und Niederlahnstein, wodurch längere Zeit größere Truppenmassen sich in unserer Gegend ansammelten, vermehrt noch den Mangel an Lebensmitteln; ebenso die lang andauernde Überschwemmung des Winters 1636/1637, durch die das Innere der Kirche große Verwüstungen erlitt und die Menschen über die aufgerissenen Gräber seufzten.
Die Bauern von Braubach, ihrer Kühe und Pferde beraubt, hatten es besonders schwer, denn an den felsigen Berghängen gedeihte nur der Wein und das schmale Land zwischen Berg und Rhein verhinderte größere ertragreiche Felder. Der Ackerbau auf den Anhöhen war in dieser Zeit Schwerstarbeit, denn es fehlte an Zugvieh um die Düngemittel oder die Ernte hinauf oder herunter zu fahren. Man musste alles in Körben auf dem Rücken transportieren. Hinzu kam, daß das Wild größere Teile ihrer erwarteten Ernte weg fraß.


Es kam soweit, dass die Leute sich von Gras, ja selbst von den Leichen der Tiere ernährten.

In all diesen Wirren war der stolze Burgersinn verlorengegangen. Dem Handwerk fehlte es an Nachwuchs, an Geld, um Rohstoffe zu kaufen. Arbeitsfreudigkeit und Unternehmungsgeist gab es nicht mehr. Der lange Krieg hatte das Volk verroht, die Sitten verwildert. Das Laster des Branntweintrinkens, Hexenwahn und anderer Aberglaube breiteten sich immer mehr aus. Dem Deutschen war jedes Selbstbewustsein geschwunden. Man schätzte nur noch fremdes hoch und ahmte bedenkenlos Sprache, Kleidung, Sitten und Gebräuche nach. Es galt als besonders gebildet. möglichst viele französische oder spanische Wörter zu gebrauchen.





Braubach und der westfälische Friede

Landgraf Johann, ein Mann von hoher, kriegerischer Begabung, welcher zuerst unter Gustav Adolf gefochten und von diesem sehr geschätzt wurde, dann auf Befehl seines Bruders Georg, des Hauptes des Hauses, widerwillig die Fahnen des Königs verlassen musste, baute in der unfreiwilligen Muse, zu der er sich verurteilt sah, da er nicht, wie die übrigen hessischen Fürsten, dem Kaiser dienen wollte und nicht gegen die kaiserlichen Heere fechten durfte, die Marksburg aus, die nun seine Residenz ward. Er versah sie vor allem mit Außenwerken und Geschützen. Er vermählte sich 1647 mit Gräfin Johanette von Sayn-Wittgenstein. Ein neues Leben begann in dieser kriegerischen Zeit für den tapferen Landgrafen auf der Marksburg.
Die schwedischen Geschütze, die sich auf der Marksburg befanden, stammen von ihm.
Anm: Im Jahr 1882 wurden die drei alten eisernen Geschütze aus dem 30jährigen Krieg ins Zeughaus in Berlin weggebracht. Vergebens hatte der Braubacher Kriegerverein durch ein dem Kaiser überreichtes Gesuch dies zu verhindern gesucht.

Pro Tag konnte eine Kanone ungefähr 50 Schuss abgeben. Gekämpft wurde nur bei Tageslicht, also rund fünfzehn Stunden. Das heißt, in einer Stunde konnte eine Kanone drei bis vier Kugeln abfeuern. Für die Handhabung der Geschütze waren Spezialisten zuständig, die im Heer einige Privilegien - beispielsweise Vortritt bei der Essensausgabe - genossen.
Johann hatte, eine stattliche Kriegerzahl auf seiner Feste; als frischer Waidmann durchjagte er die Wälder der Umgebung; leicht konnte er die nahen Orte, den Rheinfels vor allem, besuchen, da er Kutscher und Equipagen, Reiter und Stallknecht mit sich gebracht hatte.
Aber er war auch ein frommer Fürst, welcher der Nahrung für seine Seele nicht vergaß. 1646 berief er den Joh. Balthasar Schuppius hervorragend als Schriftsteller, geistlicher Liederdichter und beredter Zunge der Wahrheit, als seinen Hofprediger Consistorialrat und Schulinspektor an seinen Hof. Schuppe war geboren in Gießen 1610, ward, nachdem er seine Studien in Marburg, Königsberg und Rostock vollendet und sich durch größere Reisen weiter gebildet hatte, Professor der Beredsamkeit und der Geschichte in Marburg, von wo er dann 1646 nach Braubach kam.
In seiner schwierigen Stellung, da der Landgraf Johann von seinem Bruder gedrängt wurde, auf der Seite der Kaiserlichen zu fechten, während ihn seine Liebe zur evangelischen Kirche und persönliche Neigung zu dem Feldlager der Schweden zog, da Schuppe in diesen Kämpfen des Fürsten selbst Stellung einnehmen und denselben beraten musste, sah er sich getragen und mächtig gehoben durch die Liebe, die ihm sein Fürst entgegentrug. Landgraf Johann schätzte seinen Hofprediger nicht bloß als feurigen Verkünder des göttlichen Wortes, der überall das lebendige Ergreifen Jesu Christi, den "Christus in uns“ predigte -wurde Schuppe von seinen Zeitgenossen vielfach ein zweiter Luther genannt- sondern auch als einen treuen Seelsorger, einen klaren Berater und erprobten Freund. "Ich halte“, so sagte er einst von ihm, "nicht jedermann zu gute, was ich Dr. Schuppe zu gute halte, er ist nit ohne, er hat einen hitzigen Kopf, aber er hat ein ehrlich Gemüt und Herz. Ich habe ihn mehr als einer Occasion probiert.“ Einen ganz besonderen Beweis seines Vertrauens gab der Landgraf unserem Schuppius dadurch, dass er ihn im April des Jahres 1648 zu den Westfälischen Friedensverhandlungen nach Münster und Osnabrück sandte und ihn in seinem Namen den Friedensvertrag am 17. September 1648 unterschreiben ließ. Der Westfälische Friede brachte gleiches Recht für Katholiken, Lutheraner und Reformierte. Niemand sollte mehr um seines Bekenntnisses Willen verfolgt und aus dem Land verwiesen werden.
Er gewann sich daselbst so sehr die Gunst der anwesenden protestantischen Gesandten, dass nach Abschluss des Friedens Graf Orenstierna, der schwedische Reichskanzler, ihn aufforderte, am 15. Oktober 1648 die Friedenspredigt in Münster zu halten. Diese Predigt, in der er den ganzen Jammer des Krieges schilderte und die Krieger, die nur widerwillig das Schwert hinlegten, darauf hinwies, welche Aufgabe ihnen jetzt beschieden sei, das Schwert mit dem Pfluge zu vertauschen und das verwüstete Feld zu bauen oder gegen den Erzfeind der Christen, die Türken, zu ziehen, machte einen gewaltigen Eindruck.
Nach der Erorberung Konstantinobels (1453) waren die Türken eine ständige Bedrohung des Abendlandes. Bereits 1529 drangen sie bis Wien vor, wichen aber wieder zurück.
Unter der Führung des Großwesirs Kara Mustafa rückten die Türken 1683 erneut mit 200000 Mann bis vor Wien. Die zur Hilfe eilenden Heere des Kaisers, des Polenkönigs, der sächsichen und der bayerischen Kurfürsten schlugen die Türken entscheidend.



1648 endlich Friede?

Das Jahr 1648, das endlich Frieden brachte, führte für Braubach in politischer Beziehung keine Änderung herbei. Die Bedrängnis ward immer größer; laute Klagen erhoben sich über die Not, die der Krieg verursacht hatte. In Bezug auf die Mittel, durch welche man die Ausgaben ermäßigen konnte, war man in diesen schweren Zeiten hilflos, da die langen Kriegsjahre Verwilderung gebracht hatten.
Wohl noch lange sind, wie überall, so auch in Braubach, die ungeheuren Schäden die der große Krieg angerichtet, fühlbar gewesen, zumal auch 1651 eine außergewöhnlich starke Überschwemmung Braubach heimsuchte. Fast noch mehr, als während des Krieges, überfluteten Arme, Kranke, Bettler die Stadt. Die Kostenrechnungen der Kirchengemeinde weisen fast Tag für Tag Ausgaben für Arme und Grulanten auf. Dazu waren der Landschaft nicht lange Friedensjahre beschieden, da kaum 15 Jahre nach dem westfälischen Frieden wieder Kriege fast ununterbrochen unsere Gegend berührten. Es sind die Raubkriege Ludwig XIV. 1672 schwärmen kaiserliche und kurfürstlich-brandenburgische Truppen um die Stadt, eine Abteilung der letzteren hatte bei dem Rheinübergang zu Vallendar mit den Franzosen ein heftiges Gefecht zu bestehen. Eine Erinnerung aus dieser Zeit hat das Kirchenbuch aufbewahrt.
„Anno 1672 den 2. Novembris ist allhier der hochgeborene Herr Christoph, Burggraf, Graff von Donam auf Burgersdorff, welcher Ihre Churfürstliche Durchlaucht von Brandenburg Wohlbestellter Oberster Wachtmeister zu Fuß, in die Kirch allhier im Chor vor dem Altar beigesetzt worden, nachdem er den 27. Octobris zwischen 3 und 4 Uhr nach Mittags bei Vallendar am Rhein gegen die Franzosen ritterlich gefochten und an drey empfangenen Schüssen seelig verstorben, nachdem er ein halb Stund auff empfangenen Schoß gelebt und mit höchstem Seuffzer in eine Lutheriche Kirche hat wollen begraben werden. Seines Alters 24 Jahre“.
1676 lagern Lüneburgische Völker in der Gemarkung; die Zucht muß wohl auch nicht die beste gewesen sein, die Bauern von Dachsenhausen und Hinterwald halten sich, Haus und Hof im Stiche lassend, in ziemlicher Anzahl eine Zeit lang in der befestigten Stadt Braubach auf. Im darauffolgenden Winter haben die Münsterischen Dragoner in Braubach und Dachsenhausen ihre Winterquartiere. Die Gemeinde von Dachsenhausen suppliciert daher mit der von Braubach, dass ihr bei der schweren Belastung, die sie hätten, etwas von ihrer Kriegssteuer erlassen würde. Der Bürgermeister und Rat von Braubach betonen besonders, die Gemeinde bei dem früheren Ansatz der Landesdefsensionsgelder noch ¼ Jahr zu belassen, "da es unß armen Leuthen viel zu schwer fehlt, mehr zu bezahlen, zumahlen bei jetziger Geldklemmen Zeiten, wann schon ein armer Bürger noch etwa ein Öhmchen*) Wein zu verkauffen hatte, solches er doch nicht wohl an dass Geld bringen kann, sondern dasselbe vor daß liebe Korn und das liebe Brot zu überkommen, vertauschen muß, überdaß ist es zu beklagen, wie man also mit den Leuten sich schleppen und dieselben pfänden muß, waß wills allsdann alles geben, wenn man die übrige Summe erheben soll“
*) 1668 kostete die Ohm Wein 4 Thaler, 1669 8 Gulden.
Landgraf Ludwig gibt dann auch in seiner Antwort vom 29. Juli 1678 ihren Bitten Gehör. Von 1686- 1696 ist die Gegend wieder von endlosen Truppendurchmärschen heimgesucht. In der Stadtkirche ward begraben: von Bettendorf, General-Adjutant von Hessen-Cassel, auf dem Durchmarsch gestorben.
Auch der Hass gegen die Franzosen, die so grundlos den Frieden gebrochen, war im Volke heftig entflammt. So findet sich im Kastenbuch von 1689 ein Eintrag: „ 20 albus dem Waffenmeister gegeben, weil er 47 Totenkörper der Franzosen von unseren Grenzen in den Rhein gestoßen, die Stadt ebensoviel.“ Wohl noch lange sind, wie überall, so auch in Braubach, die ungeheuren Schäden die der große Krieg angerichtet, fühlbar gewesen, zumal auch 1651 eine außergewöhnlich starke Überschwemmung Braubach heimsuchte.
Fast noch mehr, als während des Krieges, überfluteten Arme, Kranke, Bettler die Stadt.
Auch der spanische Erbfolgekrieg berührte zum Teil unsere Gegend; Engländer und Holländer zogen am Rheinstrom her, und auch in unsere Stadt wurden Verwüstungen angerichtet.



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